Die Geschichte der Stadt Varel

Vor- und frühgeschichtliche Spuren

Frühe Spuren menschlicher Tätigkeit im Raum Varel stammen aus der Stein- und Bronzezeit. So wurden beispielsweise auf der Geest eine Geröllkeule aus der mittleren Steinzeit und  zahlreiche jungsteinzeitliche Werkzeuge aus Feuerstein sowie im Moor bronzezeitliche Lanzenspitzen gefunden. Daneben wurden auch einige Gräber entdeckt, u. a. bei Seghorn ein Urnengräberfeld aus der jüngeren Bronzezeit oder frühen Eisenzeit (etwa 1000 bis 600  vor Chr.). Eine aufsehenerregende Ausgrabung galt einem Bohlenweg, der um 1200 vor Chr. über das Moor zwischen Büppel und Jethausen gelegt worden war und offensichtlich eine Verbindung von der Geest zu einem Anlegeplatz an der Jade herstellte. In der Zeit um Christi Geburt lebte im Küstengebiet zwischen Ems und Elbe ein Volksstamm, der von den römischen Schriftstellern Chauken genannt wurde. Eine Urne aus der Zeit zwischen 200 und 400 nach Christi Geburt, die auf der Geest bei Bramloge gefunden wurde und im Heimatmuseum ausgestellt ist, wird diesem Volksstamm zugeschrieben. Im frühen Mittelalter drangen schließlich die Friesen von Westen her über die Ems vor und besiedelten das Küstengebiet bis über die Unterweser hinaus.

Erste schriftliche Erwähnung und Deutung des Namens

Die schriftliche Überlieferung für die Geschichte Varels beginnt erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts. In einer Urkunde aus dem Jahr 1124 bestätigte Papst Kalixt II. dem Kloster Rastede die Besitzrechte an Höfen und Ländereien, zu denen auch die "curias Varlas" gehörten. Die Erklärung des Namens "Varel" oder "Varle" (auch "Farle" kommt vor) ist umstritten. Während die Herkunft der beiden letzten Buchstaben vom althochdeutschen "lô" (= Wald, auch Lichtung) als wahrscheinlich gilt, fallen die Deutungen von "far" recht uneinheitlich aus. Sie reichen vom eher unwahrscheinlichen altfriesischen Wort "fran" (= herrschaftlich, heilig) über das altfriesische "fere" (= Fahrt, Fahrweg, Fahrwasser) bis zum althochdeutschen "far" (= Stier).

Vom Mittelalter zur frühen Neuzeit

Von großer Bedeutung für die Entwicklung Varels war die Errichtung einer Kirche, der heutigen Schloßkirche. Um 1150 entstand eine erste steinerne Wehrkirche, die bis zum 15. Jahrhundert durch eine Turmanlage, Querhäuser und Chor erweitert wurde. Bereits für die Zeit vor 1230 wird Varel als Sitz einer der vier Gau- oder Sendkirchen ("send" von Synode = Zusammenkunft) im friesischen Gau Rüstringen erwähnt. Bis spätestens 1314 versammelten sich hier die gewählten Richter (iudices) des Rüstringer Viertels Varel. Nachdem das Meer bei schweren Sturmfluten immer weiter in das Jadegebiet vorgedrungen und Varel dadurch mehr und mehr von seinem Viertel abgetrennt worden war, wurde Bant zu Beginn des 14. Jahrhunderts  Hauptort des Viertels. Varel dagegen geriet allmählich in den Einflussbereich der Oldenburger Grafen. So kam es, dass die seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Varel herrschenden friesischen Häuptlinge immer wieder ihre Abhängigkeit von den Oldenburger Grafen eingestehen mussten, beispielsweise indem sie ihnen Turm und Kirche öffneten. Spätestens 1481, nach dem Tod des letzten Häuptlings Hayo, gehörte Varel endgültig zu Oldenburg. Auf Grund einer Bruderteilung im Grafenhaus Oldenburg kam das Amt Varel 1577 an die Delmenhorster Nebenlinie, fiel jedoch 1647 nach deren Erlöschen wieder an die Oldenburger Hauptlinie unter Graf Anton Günther zurück.

Aufstieg zur Residenz unter den Aldenburgern

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann für Varel ein besonderer Zeitabschnitt, der durch den Aufstieg von einer noch dörflich zu nennenden Siedlung zu einer Residenz  geprägt war, die zugegebenermaßen recht klein und bescheiden ausfiel. Graf Anton Günther von Oldenburg war in seiner Ehe zwar kinderlos geblieben, hatte jedoch einen unehelichen Sohn aus einer Beziehung mit Freifräulein Elisabeth von Ungnad. Um diesen Sohn Anton, der wegen seiner illegitimen Herkunft für die Nachfolge als Oldenburger Graf nicht in Frage kam, standesgemäß zu versorgen, ließ er ihn 1646 durch Kaiser Ferdinand III.  legitimieren und als Anton von Aldenburg in den Adelsstand erheben, dann 1651 zum Freiherrn und Edlen Herrn zu Varel und 1653 zum Reichsgrafen ernennen. Bereits 1654 erhielt Anton das Amt Varel, 1658 auch die Herrlichkeit Kniphausen, was 1663 im Testament Graf Anton Günthers noch einmal bestätigt wurde. Zwischen 1656 und 1659 wurde das Vareler Schloß, eine ehemalige Burg in unmittelbarer Nähe der Kirche, standesgemäß als Residenz für Anton ausgebaut. Nach dem Tod Graf Anton Günthers im Jahr 1667 trat Anton von Aldenburg sein Erbe in Varel und Kniphausen an; gleichzeitig übernahm er die Statthalterschaft in den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst für die Lehnsnachfolger, den König von Dänemark und den Herzog von Holstein-Gottorp (Dass auch das Haus Holstein-Plön Ansprüche anmeldete und die Rechte an Oldenburg / Delmenhorst schließlich ganz an Dänemark fielen, sei hier nur am Rande erwähnt). Aus Dankbarkeit gegenüber seinem Vater ließ Anton 1670/71 das Vareler Waisenhaus erbauen, das heute nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder in alter Pracht erstrahlt.

Nach dem Tod Antons im Jahr 1680 kam die Herrschaft Varel unter dänische Zwangsverwaltung. Da der einzige männliche Erbe, Anton II. von Aldenburg, erst sieben Monate nach dem Tod seines Vaters geboren wurde, erschien dem dänischen König Christian V. wohl die Gelegenheit günstig, um seine Hand nach der Herrschaft Varel auszustrecken. Der 1681 begonnene Bau der Festungsstadt "Christiansburg" an der Vareler Anlegestelle am Jadebusen unterstrich dieses Ansinnen. Wegen der zunehmenden Verschlickung des Hafens wurde die Anlage bereits 1696 geschleift. Heute erinnern noch einige Erdwälle am Vareler Hafen an dieses Unternehmen. Die Bestrebungen des dänischen Königs trafen allerdings auf großen Widerstand seitens der Mutter Antons II. Erst nach längeren Verhandlungen kam es zu einem Ausgleich der gegensätzlichen Interessen und zur Aufhebung der Zwangsverwaltung. Im "Aldenburger Traktat" von 1693 mußte die aldenburgische Familie zwar einige Besitztümer, u. a. die Vogteien Jade und Schwei, abgeben, durfte aber die Edle Herrschaft Varel, allerdings unter dem Vorbehalt der oldenburgischen und damit dänischen Landeshoheit, behalten.

Varel unter Bentinckscher Herrschaft

Als die einzige Tochter Antons II., Charlotte Sophie, im Jahr 1733 den aus einem niederländischen Adelsgeschlecht stammenden Reichsgrafen Wilhelm von Bentinck heiratete, kündigte sich in Varel ein neuer Zeitabschnitt an. Charlotte Sophie, eine geistig begabte und selbstbewusste Frau, zu deren Bekannten der Preußenkönig Friedrich II. und Voltaire gehörten, war in dieser Ehe nicht glücklich. So wurde die Ehe 1740, zwei Jahre nach dem Tod Antons II., geschieden. Ein langwieriger Streit um die Aldenburger Besitzungen war die Folge. Erst 1754 wurde Charlotte Sophie, die als verschwendungssüchtig galt und hohe Schulden angehäuft hatte, im sog. "Berliner Vergleich" verpflichtet, gegen die Zahlung einer jährlichen Rente auf Varel und Kniphausen zu  Gunsten ihrer beiden Söhne zu verzichten. Nach der Bestätigung dieses Vergleichs 1757 ging Varel endgültig in den Besitz der Familie Bentinck über.

Die Bentinckzeit wurde vor allem durch den Reichsgrafen Wilhelm Gustav Friedrich von Bentinck  (1762 - 1835), einem Enkel von Charlotte Sophie, geprägt. 1787 übernahm er das landesherrliche Regiment in Varel und Kniphausen, hielt sich anfangs jedoch selten in Varel auf, da er als treuer Parteigänger des Prinzen von Oranien für dessen Rechte in Holland kämpfte. Die napoleonische Zeit brachte Bentinck anfangs erhebliche Vorteile, da zur Zeit des Wirtschaftskrieges zwischen England und Frankreich die Neutralität Kniphausens  einen ungehinderten Seehandel unter der Flagge dieses Landes ermöglichte und dem Grafen so eine lohnende Einnahmequelle erschloss. Nachdem die Oberhoheit über Varel und Kniphausen 1807 vorübergehend an König Louis von Holland, einem Bruder Napoleons, gefallen war, vereinigte Napoleon ab 1810 die deutschen Nordseeküstenländer mit dem Kaiserreich Frankreich, um die 1806 erlassene Kontinentalsperre durchzusetzen und den Schmuggelhandel mit England zu unterbinden. Varel war nun ein Kanton im Departement des Bouches du Weser, Graf Bentinck ließ sich zum Maire (Bürgermeister) von Varel ernennen, um einen gewissen Einfluss zu bewahren.

Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde Varel 1814 provisorisch der oldenburgischen Verwaltung unterstellt. Da Wilhelm Gustav Friedrich von Bentinck dem oldenburgischen Herzog den Lehnseid verweigerte, erhielt er erst 1830 die Rechte an seiner Herrschaft Varel zurück. Nach seinem Tode im Jahr 1835 kam es zwischen den Erben zu einer langwierigen Auseinandersetzung, dem sog. Bentinckschen Erbfolgestreit. Erst 1854 wurde ein Vergleich geschlossen, wodurch sämtliche Eigentums- und Hoheitsrechte an den aldenburgisch-bentinckschen Fideikommissgütern gegen Zahlung einer Abfindung auf den oldenburgischen Staat übergingen. Damit fand der Sonderweg Varels als Residenz ein Ende. Weil das Vareler Schloß nicht mehr benötigt wurde, wurde es in den Jahren 1860 bis 1871 abgerissen. Von seiner Existenz zeugen heute nur noch die Namen "Schloßkirche" und "Schloßplatz".

Die Entwicklung zur Stadt und zum Industriestandort im 19. Jahrhundert

Zeitgleich mit dem Niedergang der Adelsherrschaft in Varel begann eine Entwicklung, die dem Bürgertum immer mehr Rechte einräumte. So waren der Abriss des Schloßes und der Neubau des Schloßplatzes als Platz für Märkte und Veranstaltungen in den Jahren 1872 bis 1875 auch als Ausdruck neu gewonnener bürgerlicher Freiheiten zu verstehen. Bereits 1832 war nach der oldenburgischen Landgemeindeordnung von 1831 aus den Bauerschaften Nord- und Südende der Flecken Varel mit eigener Ortsverwaltung und einem Ortsausschuss, dessen Befugnisse aber noch sehr beschränkt waren, gebildet worden. Einen weitaus größeren Schritt für die Entwicklung Varels bedeutete die Erhebung des Fleckens zur Stadt II. Klasse im Jahr 1856. Gleichzeitig wurden die umliegenden Bauerschaften, die bisher zusammen mit dem Flecken das Kirchspiel Varel gebildet hatten, abgetrennt und zu der eigenständigen Landgemeinde Varel vereint. 1858 erfolgte dann sogar die Erhebung zur Stadt I. Klasse, ein Prädikat, das bis dahin nur den Städten Oldenburg und Jever zustand.

Diese besondere Auszeichnung verdankte die Stadt dem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Bereits vor 1840 setzte die Industrialisierung mit der Gründung von mechanischen Spinnereien und Webereien ein, wenig später kamen auch Eisen verarbeitende Betriebe hinzu. Eine wichtige Rolle spielte der in den 1850er Jahren neu gebaute Vareler Hafen, über den beispielsweise Roheisen und Steinkohle aus Großbritannien eingeführt und die Fertigprodukte sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgeführt wurden. Allein 1857 liefen fast 650 Schiffe den Hafen an. 1867 erhielt Varel zudem einen Eisenbahnanschluss an der neuen Strecke Bremen - Oldenburg - Heppens (heute Wilhelmshaven). Weiterhin gab es noch Ziegeleien, Tabak-, Leder- und Seifenfabriken, eine Schiffswerft sowie einige Mühlen. Die große Mühle, die 1847 noch der letzte Vareler Graf Gustav Adolf von Bentinck errichten ließ, ist heute eines der Wahrzeichen der Stadt und beherbergt eine umfangreiche heimatkundliche Sammlung. All diese Betriebsgründungen hatten schließlich dazu geführt, dass die Stadt Varel in der Mitte des 19. Jahrhundert zum bedeutendsten Industriestandort und zur zweitgrößten Stadt des Herzogtums Oldenburg aufgestiegen war. Folgende Zahlen mögen dies veranschaulichen: 1854 arbeiteten nahezu 1000 Menschen in rund 30 Betrieben, von den 20 Dampfmaschinen des Oldenburger Landes standen im Jahr 1855 allein 13 in Varel, zwischen 1816 und 1861 war die Einwohnerzahl von rund 2600 auf 5240 gestiegen. Doch bereits ab 1860 setzte eine wirtschaftliche Rezession ein. Auf Grund größerer Konkurrenz, die nach dem vollständigen Ausbau des Eisenbahnnetzes in Deutschland häufig über Standortvorteile verfügte, geriet Varels Industrie ins Abseits. Zuerst mussten Spinnereien schließen. 1866 wurde die Gesellschaft, die das Eisenwerk betrieb, aufgelöst, jedoch konnte eine neue Gesellschaft einen verkleinerten Betrieb bald wieder aufnehmen. Bis zum Jahr 1890 ging die Zahl der Arbeiter in Varel auf 368 zurück, die Einwohnerzahl sank auf  4670. Jedoch setzte bald nach 1890 wieder ein Aufschwung ein. Die wichtigste Neugründung vor dem 1. Weltkrieg war im Jahr 1905 die Hansa-Automobilgesellschaft, die bis zum Jahr 1929 im Stammwerk Varel Personenkraftwagen produzierte und zeitweilig über 1200 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Entwicklung im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert verlief die Entwicklung Varels recht wechselhaft. Einerseits wurde die Infrastruktur der Stadt weiter ausgebaut (so wurde u. a. 1913 das Wasserwerk mit dem Wasserturm errichtet), andererseits mussten auch Rückschläge - wie beispielsweise die Schließung der Hansa-Werke 1929 - verkraftet werden. Einen großen Bedeutungsverlust für Varel brachte die oldenburgische Verwaltungsreform im Jahr 1933 mit sich: Die Ämter Varel und Jever wurden zum neuen Amt Friesland (ab 1939 Landkreis) mit Amtssitz in Jever zusammengeschlossen; Varel verlor nicht nur den Amtssitz, sondern außerdem auch den Rang als Stadt I. Klasse und damit die Amtsfreiheit.

Ein besonders dunkles Kapitel ihrer Stadt bzw. Landgemeinde erlebten die Vareler Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus. Am 9. und 10. November 1938 kam es wie überall in Deutschland zu einem Pogrom gegen die jüdischen Mitbürger, bei dem die 1848 eingeweihte Synagoge zerstört wurde. Den 2. Weltkrieg überstand Varel ohne größere Gebäudeschäden. Am 5. Mai 1945 wurde die Stadt einer kanadischen Einheit übergeben.

Die Nachkriegszeit war geprägt durch den demokratischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau. Eine besonders große Aufgabe stellte die Aufnahme von Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und ehemaligen Zwangsarbeitern (DPs) dar. So war die Einwohnerzahl zwischen 1939 und 1950 in der Stadt von 8.049 auf 13.939 (mit Einberechnung eines DP-Lagers zeitweilig über 16.000) und in Varel-Land (der früheren Landgemeinde) von 8.692 auf 14.422. angestiegen. Nur durch große Anstrengungen im Wohnungsbau, wodurch ganze Stadtviertel neu entstanden, konnte diese Notlage gemildert werden.

Politisch gehören die ehemals oldenburgischen Gemeinden Stadt Varel und Varel-Land  seit 1946 zum Land Niedersachsen. 1972 wurden die beiden Gemeinden, die 1970 jeweils über 12.500 Einwohner besaßen, im Zuge der niedersächsischen Gebiets- und Verwaltungsreform zu einer Gemeinde mit der Bezeichnung "Stadt Varel" zusammengeschlossen, wobei das Gebiet südlich der Wapel (Spohle, Conneforde) an die Gemeinde Wiefelstede abgetreten werden musste. Damit war die alte Stadt nach über 100 Jahren wieder mit ihrem ländlichen Umland vereint. Die neue Stadt umfasste eine Fläche von rund 116 qkm mit etwa 24.600 Einwohnern. 1986 wurde sie vom Niedersächsischen Landesministerium zu einer selbständigen Gemeinde erklärt, wodurch Aufgaben, die bisher beim Landkreis Friesland lagen, nunmehr von der Stadt durchgeführt werden können. In jüngster Zeit stieg die Einwohnerzahl durch die Ausweisung neuer Wohngebiete leicht an; am 30. Juni 2005 betrug sie 25.186.

Varels Wirtschaft seit 1945

Die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Krieg verlief zuerst schleppend: 1950 gab es in Varel noch eine Arbeitslosenquote von nahezu 25 %. Erst im Laufe des "Wirtschaftswunders" ging die Arbeitslosigkeit stark zurück und lag 1970 bei nur noch knapp über einem Prozent. Ein breites Spektrum von Betrieben trug zur positiven Entwicklung bei, der Schwerpunkt lag im Maschinen- und Flugzeugbau sowie in der Porzellan-, Nahrungsmittel- und Papierindustrie. Heute bestimmen neben den vielen kleinen und mittleren Betrieben drei große Betriebe das Wirtschaftsleben: das Zweigwerk von AIRBUS in Varel-Neuenwege, die Papier- und Kartonfabrik sowie das Zweigwerk der Firma Bahlsen (Backwaren). Außerdem erfüllt Varel eine wichtige Funktion als Einkaufstadt und Mittelzentrum zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven. Leider konnte auf dem Arbeitsmarkt der gute Stand nicht gehalten werden; die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2004 bei 11,5 %. Große Hoffnungen setzt die Stadt auf  den zukünftigen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Entsprechende Gewerbeflächen für die Neuansiedlung von Betrieben werden z. Z. angelegt.

In der ehemaligen Landgemeinde bestimmt noch über weite Gebiete die Land- und Forstwirtschaft das Bild. Ein Wechsel von Wäldern, Getreidefeldern und Grünland auf der Geest, überwiegend Grünland im Moor und in der alten Marsch sowie Getreideanbau in der fruchtbaren jungen Marsch prägen die Landschaft. Die Küstenfischerei mit Kuttern von Varelerhafen und Dangast aus, insbesondere der Granatfang, ging dagegen in der jüngeren Vergangenheit stark zurück. Die Anlandung von Muschelschalen (zur Herstellung von Muschelschrot für Hühnerfutter) und Kies in Varelerhafen ist sogar ganz eingestellt worden. Das gleiche gilt schon seit längerer Zeit für den Güterumschlag, der ja einst zum wirtschaftlichen Aufstieg Varels einen wichtigen Beitrag geleistet hatte. Damit ist - abgesehen von wenigen Fischern - der Nutzungswandel zum reinen Sportboothafen in Varelerhafen wie auch in Dangast nahezu abgeschlossen.

Große Bedeutung für Varel, insbesondere für den Ortsteil Dangast, hat schon seit langen Zeiten der Fremdenverkehr. Dangast gehört zu den wenigen Orten an der deutschen Nordseeküste, wo die Geest bis ans Meer heranreicht, so dass sich ein natürlicher Sandstrand ausbilden konnte. Bereits für das Jahr 1804 ist eine vom Reichsgrafen von Bentinck gegründete Seebadeanstalt urkundlich belegt. Einen großen Aufschwung gab es in Dangast seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Nachdem bei Bohrungen in einer Tiefe von 573 Metern ein Solevorkommen entdeckt worden war, wurden 1975 ein Schwimmbad, das Meerwasserquellbad, und 1980 die Nordsee-Kuranlage Deichhörn in Betrieb genommen.1983 wurde Dangast als Nordseebad und Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb staatlich anerkannt. Auch außerhalb von Dangast bieten sich dem Urlaubsgast viele Möglichkeiten zur Erholung, insbesondere der Vareler Hafen und der von Wald umgebene Mühlenteich sind lohnenswerte und viel besuchte Ausflugsziele.

Sie erhalten eine grafisch reduzierte Ansicht dieser Webseite, da Ihr Browser nicht W3C kompatibel ist oder Sie die CSS Styles deaktiviert haben.

Stadt Varel · Windallee 4 · 26316 Varel
Telefon: 0 44 51 / 1 26-0 · Fax: 0 44 51/ 1 26-1 30
E-Mail: info@varel.de · Internet: www.varel.de