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Neue Straße 5
26316 Varel

Varel-Pfad

Geburtshaus von Hans Walter Berg

Erster Asienkorrespondent des deutschen Fernsehens

In diesem Haus wurde Hans Walter Berg am 20. Oktober 1916 als ältester Sohn des Ingenieurs Johann Berg und der Friseurin Margarethe Berg geboren. Schon bald  nach der Geburt zog die Familie nach Aachen, später nach Remscheid. Nach dem Tod des Vaters (1922) kehrte die Mutter nach Varel zurück, wo der Junge die Volksschule, dann die Oberrealschule (heute Gymnasium) besuchte. Hans Walter Berg war ein unbequemer Schüler. 1933 wechselte er zur Oberrealschule in Oldenburg (heute Herbartgymnasium), die er ein Jahr später ohne Abitur verließ. - Hervorzuheben ist die große Bedeutung, die der Sport für den Schüler hatte. Vor allem in der Leichtathletik und im Tennis gehörte Hans Walter Berg zu den besten jungen Sportlern in Friesland und in ganz Nordwestdeutschland. -  1935 wurde er zum Studium ohne Abitur an der Universität München für die Fächer Geschichte, Kunstgeschichte und Literaturgeschichte zugelassen. Durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen erlangte er die volle Hochschulreife. Das Studium schloss er 1939 mit der Promotion zum Dr. phil. im Fach Geschichte ab.

Bei der "Machtergreifung" 16 Jahre alt, entzog sich der junge Berg der nationalsozialistischen Ideologie nicht. Im Gegenteil: Er machte mit, zunächst in der Hitlerjugend seiner Heimatstadt, dann  in der Führung des NS-Studentenbundes in München. Dass Berg dennoch keine Nazi-Karriere einschlug, verdankte er seiner Begeisterung für ferne Länder und  fremde Völker. Der Blick über den Tellerrand schärfte sich während des Studiums: 1937/38 ging er für zwei Semester an die Universität in Ann Arbor/Michigan, wo er den  "Master of Arts" erwarb.  Danach begab er sich mit schmalem Budget auf eine Reise, die ihn über Mexiko und Hawaii nach Japan führte. Dort packte den 22-Jährigen die Leidenschaft für Asien. Ein Dreivierteljahr war Berg unterwegs und lernte mit Korea, China, Thailand, Indochina und Indien die Haupt-Wirkungsstätten seiner späteren Korrespondentenzeit kennen. Im Oktober 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und blieb bis zum  Kriegsende Soldat, zu Beginn in Frankreich, dann  in Russland und zuletzt in Norditalien. Dort geriet der mehrfach Verwundete in Gefangenschaft. Im Herbst 1945 kehrte Berg nach Deutschland zurück. Er lebte zunächst nördlich von Bremen auf dem Landgut Meyenburg, das der adligen Familie seiner Frau Charlotte gehörte, die er 1944 geheiratet hatte.

Einem mit ihm befreundeten Mitarbeiter der Alliierten Kontrollbehörde verdankte Berg die Anstellung als politischer Redakteur (ab 1951 Ressortleiter) beim Bremer "Weser-Kurier", einer der ersten Zeitungen, die nach 1945 in Deutschland erscheinen durften.  Nachdem 1952 der Nordwestdeutsche Rundfunk auf den Journalisten mit der sonoren Stimme aufmerksam geworden war, begann seine Karriere als erster deutscher Radio- und TV-Korrespondent in Asien. Zunächst berichtete er für mehrere Rundfunkstationen, ab 1957  auch für das ARD-Fernsehen aus Delhi, ab 1967 aus Hongkong. Daneben arbeitete er für etwa 25 Tageszeitungen. Als "Klassiker der Auslandsberichterstattung" ging Bergs  Dokumentarfilmreihe "Gesichter Asiens" in die Fernsehgeschichte ein. Zwischen 1959 und 1986 wurden 75 Sendungen dieser Reihe ausgestrahlt, die es in der Spitze auf 70 Prozent Einschaltquote brachten.  1979 wurde Berg das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine "Pionierarbeit im Dienste der Völkerverständigung" verliehen. Ein Jahr nach seinem offiziellen Ruhestand (1981) zog er eine Bilanz seiner Korrespondententätigkeit: Eine Million Meter Film, über 100 TV-Dokumentationen, mehr als 250 Beiträge für den "Weltspiegel", ca. 3000 Berichte in Zeitungen und im Rundfunk. Hinzu kamen unzählige "Tagesschau"-Beiträge und drei Sachbücher, die er nach seiner Pensionierung schrieb.

Durch die Beziehungen zur Verwandtschaft, vor allem zu seiner Mutter Grete, die hier in der Neuen Straße 5 einen Friseursalon betrieb, blieb Hans Walter Berg mit seiner Heimatstadt verbunden. Mehrmals kam er auch zu Vorträgen und Buchpräsentationen nach Varel, so z. B. im März 1983, als er in der überfüllten Aula des Gymnasiums seinen Sachbuch-Bestseller "Gesichter Asiens" vorstellte. Der Empfang durch die Besucher aus Varel und der Region war überwältigend und das Wiedersehen mit Freunden und Bekannten aus Kindheit und Jugend bewegend.

Hans Walter Berg starb am 7. November 2003 in Unteruhldingen am Bodensee. - Peter Scholl-Latour charakterisierte ihn als den "Marco Polo unserer Tage" und meinte: "Asien war lange Jahre hindurch gleichbedeutend mit Hans Walter Berg."

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