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Geburtshaus der Sopranistin Hildegard Behrens (1937-2009)

In diesem Haus wurde Hildegard Helene Behrens am 9. Februar 1937 als jüngstes von sechs Kindern des Arztehepaars Dr. Karola Behrens und Dr. Dietrich Behrens geboren. Der Garten des Hausgrundstücks war vor der Bebauung Teil des Vareler Schlossparks. Ihr Elternhaus war buchstäblich von Musik erfüllt. Der Vater hatte als Vorstandsmitglied des Vereins für Kunst und Wissenschaft und aufgrund seiner Verbindungen zu bekannten Künstlern großen Einfluss auf die Auswahl der Musikveranstaltungen in Varel. Nach den Konzerten waren die Künstler oft hier zu Gast. Hausmusik wurde in der Familie großgeschrieben. Der Vater war Cellist in einem Streichquartett, das regelmäßig im Salon des Hauses musizierte. Ein Geiger des Quartetts, ein Mitglied des Oldenburgischen Staatsorchesters, war gleichzeitig der Violinlehrer von Hildegard und ihren Geschwistern. Die Eltern sorgten dafür, dass alle Kinder auch eine solide Ausbildung am Klavier bei "Fräulein" Meta Lieschner erhielten, einer in Varel lebenden Schülerin des berühmten Pianisten Walter Gieseking.

Hildegard Behrens verbrachte die ersten 20 Jahre ihres Lebens in Varel. Sie besuchte zunächst die Mädchenschule am Schlossplatz (heute Grundschule) und dann die in der Nachbarschaft des Elternhauses liegende Oberschule (heute Lothar-Meyer-Gymnasium). Schulkameradinnen erinnern sich an eine auch gegenüber Lehrern selbstsicher auftretende Mitschülerin. In lebhafter Erinnerung sind ihre ungezwungenen Umgangsformen und ihre Natürlichkeit, die sie ihr ganzes Leben lang beibehielt. "Diva" oder "Primadonna" sind deshalb Attribute, die auch in der Zeit der großen Bühnenerfolge nicht zu ihr passen wollten. - Vor allem im Elternhaus, aber auch in der Schule erwarb Hildegard Behrens solide musikalische Kenntnisse, die ihr fortan als zuverlässiges Rüstzeug dienten. Als sie 1957 ihr Abitur ablegte, ahnte jedoch niemand, dass sie einmal Sängerin werden würde.

Nach der Reifeprüfung begann sie in Freiburg Jura zu studieren. Zwei ihrer Brüder studierten bereits dort, Wilhelm an der Musikhochschule, an der er später eine Professur für Klavier übernahm, und Otto an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Otto war es auch, der die Schwester zu den Proben des renommierten Freiburger Bachchores mitnahm. Der Chorleiter Theodor Egel bot ihr erstmals die Gelegenheit, in kleineren Rollen solistisch zu singen. Vermittelt durch Bruder Wilhelm, erhielt die Jurastudentin auch Einblick in die Arbeit an der Musikhochschule. Das, was sie dort erlebte, hatte zur Folge, dass sie sich bald mehr für Partituren als für Paragraphen interessierte. 1963, nach dem juristischen Referendarinnen-Examen, begann Hildegard Behrens in Freiburg ein reguläres Gesangsstudium. Ohne Zwang und Kontrolle üben konnte sie in den Semesterferien hier in ihrem Elternhaus. Sie sagte später darüber: "Ich habe zu Hause, wenn ich in Varel war, gebrüllt wie ein wildes Tier, ich habe gesungen, was das Zeug hält. Das störte ja niemanden."

Nach dem Ende des Gesangsstudiums wurde Hildegard Behrens, inzwischen 34 Jahre alt, 1971/72 an der Deutschen Oper am Rhein engagiert. 1974 wurde dann zu einem entscheidenden Jahr in ihrer Karriere, als Herbert von Karajan bei einem Besuch in der Düsseldorfer Oper auf sie aufmerksam wurde. Noch drei Jahre dauerte es, bis Hildegard Behrens 1977, nun schon 40 Jahre alt, unter Karajan erstmals bei den Salzburger Festspielen als Salome zu hören war. Die Salzburger Inszenierung wurde ein überwältigender Erfolg und machte die Sopranistin weltberühmt.

In den nun folgenden 30 Jahren ihrer großen Karriere gastierte Hildegard Behrens in fast allen bedeutenden Opernhäusern der Welt. Triumphe feierte sie bei den Festspielen in Salzburg und Bayreuth. Die Namen der Sängerinnen und Sänger, mit denen sie auf der Bühne stand, bilden ein "Who is who" des internationalen Musiktheaters, unter ihnen Placido Domingo, Brigitte Fassbaender, Peter Hofmann, René Kollo, Luciano Pavarotti, Christa Ludwig und Jessye Norman. Gleiches gilt für "ihre" Dirigenten. Auf dieser Erinnerungstafel war nur Platz für fünf der ganz Großen. Unbedingt zu ergänzen ist James Levine, mit dem sie 1976 erstmals an der New Yorker Met auftrat und auch später häufig zusammenarbeitete. - Auch wenn Hildegard Behrens vor allem als bedeutende Wagner- und Strauss-Interpretin gilt, zeigt ein Blick auf die Spielpläne ein breit gefächertes Repertoire. Es reicht von Cherubini, Mozart, Beethoven, Weber über Dvorák, Verdi, Humperdinck, Puccini, Ravel bis zu Janácek, Schostakowitsch, Berg und Berio.

Einmal bot sich auch die Gelegenheit, ihre prachtvolle Stimme in der Region zu hören: 2004 jährte sich der Geburtstag der aus Oldenburg stammenden Sopranistin Erna Schlüter (1904-1969) zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass fand im Großen Haus des Staatstheaters eine Gala-Matinée statt, bei der die 67-jährige Behrens mit Liedern u. a. von Wagner und Strauss das Publikum begeisterte.

Mit 72 Jahren starb Hildegard Behrens völlig unerwartet am 18. August 2009 in Tokio. Sie hielt sich in Japan auf, um am Kusatsu Festival im dritten Jahr in Folge Meisterklassen und Konzerte zu geben und einen Workshop bei einem internationalen Musikfestival zu leiten. Hildegard Behrens fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Varel. Auf der Grabplatte steht auch der Name ihres Bruders Otto, mit dessen Einladung zu einer Probe des Freiburger Bachchors der Startschuss zu einer der großen Sängerinnen-Karrieren des 20. Jahrhunderts gegeben wurde.

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